Interview mit Berg- und Skischulleiter Christof Schellhammer

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Schnee und Wind - das sind die Baumeister der Lawinen...

Schnee und Wind - das sind die Baumeister der Lawinen. Das Video vom 21.01.2018 (aufgenommen am 1.500 m hohen Wallberghaus in den Bayerischen Alpen) zeigt dies eindrucksvoll. 

Aber was bedeutet diese extreme Wettersituation für die kommenden Tage und Wochen bis zum Ende des Winters? Eine genaue Prognose wagen da auch die Lawinenwarndienste nicht zu stellen. 

Fragen wir doch Christof Schellhammer, den Leiter der SportScheck Berg- und Skischule:

Wie ist die Lawinensituation für das kommende Wochenende zu beurteilen?

CS: Da gilt es zunächst einmal zu unterscheiden, ob man sich innerhalb oder außerhalb des lawinengesicherten Bereiches bewegt. In (durch Gemeinden oder Bergbahnen) lawinengesicherten Bereichen werden Lawinen gesprengt, Steilhänge präpariert oder mit anderen Maßnahmen gesichert, unter Umständen auch gesperrt . Wenn ich mich als Skifahrer, Snowboarder oder Schneeschuhgeher in diesen gesicherten Bereichen aufhalte, darf ich mich voll auf die umfassenden Maßnahmen der verantwortlichen Betreiber verlassen. So finden z.B. im VIVALPIN Programm die Schneeschuhtouren auf der Zugspitze in einem von den Bergbahnen gesicherten Bereich statt. Für diese Touren benötigt man deshalb auch keine spezielle Notfallausrüstung oder andere Zusatz-Maßnahmen.

Spannend wird es dann aber außerhalb der gesicherten Pisten, wie arbeiten da die Profis der Berg- und Skischule?

CS: Bereits vor über 15 Jahren hat VIVALPIN ein für alle Berg- und Skiführer verpflichtendes, tagesaktuelles Risikomanagement installiert. Die entscheidenden Bausteine dafür sind Lawinenlage- und Wetterbericht, das Gelände mit Neigung und Exposition sowie die Anzahl der Gruppenmitglieder und deren Können. Anhand dieser Faktoren werden Touren- und Abfahrten geplant, die getroffenen Entscheidungen in verschiedenen Schritten immer wieder überprüft und gflls. angepasst. 

Gibt es auch für die Profis Grenzen oder rote Linien, bei denen sie nicht ins ungesicherte Gelände gehen?

CS: Bei Lawinenstufe 4 und 5 wird das Risiko in der Regel unkalkulierbar, da hat auch der bestausgebildete Profi nichts im alpinen Gelände verloren.

Welche Tipps hast Du für Nicht-Profis?

CS:Unseren Kunden empfehlen wir die Reduktionsmethode oder die Snowcard. Beide Methoden liefern ohne großen Zeitaufwand gute Ergebnisse. Allerdings benötigen sie, genauso wie die fachgerechte Anwendung der Notfallausrüstung, eine Einweisung oder Schulung durch einen Profi. Dafür sollte man sich dann am besten ein Wochenende einplanen. 

Sollte man am kommenden Wochenende nur vorsichtshalber zu Hause bleiben?

CS: Aus heutiger Sicht spricht nichts für einen fantastischen Powder-Tag. Genaueres kann man aber erst sagen, wenn die Lawinenlageberichte ihr Prognose abgegeben haben. Stand heute hat sich die Situation bereits deutlich entspannt. Die Lawinenstufe ist in fast allen Gebieten der Alpen von 5 auf 3 gesunken. Das stimmt optimistisch, dabei sollte man aber nicht vergessen: Stufe 3 bedeutet nach wie vor "erhebliche Lawinengefahr“ und erst ab Stufe 2 herrschen dann allgemein günstige Verhältnisse.

Den Film zum Interview findet ihr hier:

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